Geschichte

©Jim Pfeffer / pixelio.de
20.01.2012

Von Dr. Nikolaus Götz
Jean Jacques Rousseau lebt, obgleich seit der Geburt dieses französischen Philosophen im Jahr 1712 inzwischen genau 300 Jahre vergangen sind. Rousseau ist der Begründer der modernen Demokratietheorie und zugleich der Verfassungsvater aller gegenwärtigen demokratischen Staaten „westlicher Herkunft“, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland gehört. Die Stadt Genf, in der Jean Jacques am 28. Juni 1712 geboren wurde, ebenso wie die französische Hauptstadt Paris, in der Rousseau lange Zeit wohnte und seine letzte Ruhestätte als Ehrenbürger der Französischen Nation fand, werden deshalb im Sommer 2012 ihres „links-engagierten“ ’Bürgers’ mit zahlreichen Festivitäten gedenken.
Das Leben des ’schweizerischen Rebellen’ und Sohn eines Uhrmachers verlief nicht in den von seinen Eltern vorgesehen Bahnen. Als 12jähriger schmiss J. J. seine erste Lehre als „Schreiber“ und die anschließende Ausbildung als Graveur war auch nicht nach seinem Geschmack. Der Teenager Rousseau revoltiert mit 14 Jahren gegen die ihn unterdrückende Disziplin des rigiden puritanischen Stadtstaates Genf –„I can get no satisfaction“ -, und entdeckte seine Sexualität bei der Madame de Warens, ein heute unerhörter Vorgang. Von dieser ersten Liebeslaube gelangte der fortdrängende Rousseau über Annecy ins benachbarte Turin. Um Aufnahme zu finden, konvertierte der jugendliche Ausreißer gezwungenermaßen zum dortigen Katholizismus. Ohne ordentliche Berufsausausbildung verdingte er sich als Diener bei unterschiedlichen Adligen und führte fortan ein lockeres Leben. Diese „Wanderjahre“ führten ihn auch nach Paris und 1738 zurück zu Madame de Warens, die jedoch in der Zwischenzeit einen anderen Liebhaber gefunden hatte. Als Hauslehrer, dann Sekretär, Notenkopist und als ’Lover’ von adligen Damen verdient er sich sein Geld, ewig unstet und sozial nicht abgesichert als „träumender Wanderer“ zwischen den verschiedenen westeuropäischen französischsprachigen Wohnorten. Seine eigenen Kinder, auch als gereifter Ehemann von Thérèse Levasseur, konnte der ewig geldknappe und inzwischen wegen seiner politischen Schriften flüchtige Rousseau zwangsläufig nicht selbst erziehen. Als „Aufklärer“ zu seiner Zeit zwar berühmt, aber „zerstritten mit der ganzen Welt“ und ruhelos bis an sein Lebensende auf Finanzgönner angewiesen, starb J. J. Rousseau am 2. Juli 1778 in Ermenonville.
„Jean Jacques est parmi nous!“ („Jean-Jaques ist unter uns!“), urteilten seine Zeitgenossen und er wird durch sein philosophisches Werk stets unter uns sein! Es waren seine „linksengagierten“, radikalen Gedanken, die er schriftlich fixierte und die diesen Querkopf „unsterbenlich“ werden ließen. Während Texte, beispielsweise zur Erziehung oder über die Musik, ohne größere Breitenwirkung bleiben, schlägt seine „Denkschrift über die Wissenschaft und Künste“ (Discours sur les sciences et les arts; 1750) wie ein Blitz ein und machen J.J. schlagartig bekannt. Darin formuliert er nämlich den Gedanken, dass sich die fortschreitende Gesellschaft eher negativ entwickelt und der „gute Mensch“ zu seiner Rettung wieder „zurück zur Natur“ müsste. Seine zweite Abhandlung von 1753 ist nicht nur wegweisend für die Evolutionstheorie sondern auch für die moderne Politikwissenschaft. Rousseau versucht nämlich erstmals die soziale „Ungleichheit“ zwischen den Menschen (Discours sur l’origine et le fondement de l’inégalité parmi les hommes, deutsch: Abhandlung über en Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit zwischen den Menschen) zu analysieren. Mit dieser Denkschrift wird er jedoch der „Staatsfeind Nr. 1“, schlimmer im Ansehen als die Baader-Meinhof-Gruppe von 1970. Dass er dann 1762 mit seinem Hauptwerk dem „Gesellschaftsvertrag“ (Contrat social) eine radikale Abkehr vom absolutistischen Staat seiner Gegenwart formuliert, und die republikanische Gesellschaft, ’das Modell Genf’ propagiert erscheint (im Rückblick) als „Kind seiner republikanischen Heimatstadt“ nur konsequent. Auch die Frage, „Wie errichten wir diesen „idealen Staat’?“, beantwortet Rousseau, indem er einen ausgefeilten Erziehungsroman (Emile) vorstellt. Mit diesen Werken wird Jean Jacques Rousseau zu dem großen Philosophen, dessen persönlicher Lebensweg eher jämmerlich ist, ihn aber als Verfassungsvater der großen Demokratien wie beispielsweise der USA unsterblich werden lassen.
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Bei Interesse bietet Dr. Götz zu JJR einen Vortrag an. Nachfragen bitte an die übliche Adresse!